Wie geht das? Messer (richtig) schleifen (Teil 3)

Im dritten Teil geht es um Nachschärfen und Schleifen

Zuerst solltet ihr unterscheiden ob eure Klinge „nur“ nicht mehr sauber schneidet oder tatsächlich stumpf ist. Im ersten Fall reicht ein Nachschärfen völlig aus.

Was ist das jetzt und wie funktioniert das?

Beim Nachschärfen wird der vorhandene Schneidgrat der Klinge mit einem geeigneten Werkzeug, meist einem handelsüblichen Wetzstab aus Metall oder Keramik, begradigt und aufgerichtet. Idealerweise wird nach jeder längeren Benutzung nachgeschärft. Denn nichts ist ärgerlicher als eine nicht gut schneidende Klinge. Spätestens dann, wenn die Klinge nicht mehr gut durch das Schnittgut gleitet wird es Zeit dafür.

Schaut euch dazu eure Klinge an und versucht den Schliffwinkel zu schätzen. Im ersten Teil dieser Reihe nannte ich einige Schneidwinkel. Der üblicherweise verwendete Winkel industriell hergestellter Klingen beträgt 30°, das heißt, jede Seite eurer Klinge wurde mit 15° geschliffen.

Legt eure Klinge flach auf den Wetzstab, danach hebt ihr den Klingenrücken mit dem Daumen etwas an und schiebt die Klinge mit einer flüssigen Bewegung unter leichtem (!) Druck vom Heft bis zur Spitze über den Wetzstab. Schaut euch danach die Klinge an. Sind oberhalb der Schneidfase frische Abriebspuren zu sehen war der Winkel zu flach, sind diese an der Schneidfase zu sehen passt es. Wenn ihr euren Winkel gefunden habt, setzt Klinge neu an und wiederholt den Schärfvorgang mit genau dem gleichen Winkel. Es reicht völlig aus, das pro Seite ein- bis zweimal durchzuführen. Das genügt um die Schneidfase wieder herzustellen.

Anders sieht es aus, wenn euer Klinge nur noch als Spachtel taugt oder sogar sichtbare Beschädigungen der Schneide aufweist. Hier muss tatsächlich geschliffen werden. Bedenkt, dass jeder Schliff ein Materialabtrag der Klinge darstellt. Schleift nur so oft und viel wie nötig an der Klinge.

Kommen wir zur Vorbereitung.

Wie wollt ihr schleifen? Maschine oder Hand? Besitzt ihr einen guten stationären Bandschleifer, habt im Umgang damit Erfahrung spricht wenig dagegen, das Gerät bei starker Beschädigung der Klinge für den Vorschliff zu nutzen.Brauchbar sind Bandschleifer mit einer Bandlänge ab 1.000 mm. Idealerweise verfügen sie noch über eine regelbare Drehzahl.

Kauft euch gute Schleifbänder mit Keramik- oder Diamantbeschichtung. Die meisten über bekannte Online- Verkaufsplattformen erhältlichen Bänder gehen bis zu einer Körnung von 600 (FEPA). Das ist für einen Vorschliff am Bandschleifer fast schon zu viel des Guten, besser ist zu einer feineren Körnung ab 800 zu greifen. Diese sind über den spezialisierten Fachhandel erhältlich.

Aber Vorsicht: mit einem Bandschleifer ist der ursprüngliche Schneidwinkel schnell zerstört oder die Klinge ausgeglüht.

Sehr viel besser gelingt der Schliff von Hand mit Öl- oder Wassersteinen. Wie die Steine vorbereitet werden, schrieb ich in einem vorherigen Beitrag. Im Weiteren gehe ich von einer Klinge mit einer sichtbar beschädigten Klinge aus. Sichtbar heißt, die Schneide weist kleinere Scharten auf. Sind größere Ausbröckelungen ähnlich denen eines Gemüsemessers zu sehen solltet ihr den Neuschliff jemandem überlassen, der sich damit auskennt.

Nehmt euch einen Schleifstein mit einer groben Körnung um die beschädigte Stelle der Klinge auszuschleifen. Hier würde ich zu einem Stein mit 400er Körnung oder feiner greifen. Auch hier gilt es wie beim Nachschärfen vorher den Schneidwinkel heraus zu finden. Die Vorgehensweise ist die Gleiche. Habt ihr den passenden Winkel gefunden, schiebt ihr die Klinge mit leichtem, gleichmäßigem Druck so lange über den Stein, bis etwa die Hälfte der Scharte entfernt ist. Danach dreht ihr die Klinge auf die andere Seite und wiederholt den Schleifvorgang bis die Scharte komplett verschwunden ist.

Tipp: zählt die Anzahl der Schleifvorgänge mit, damit ihr beide Seiten der Klinge mit der gleichen Anzahl der Arbeitsgänge bearbeitet. Für die Einhaltung der Schleifwinkel hält der Onlinehandel kleine Helferlein aus Kunststoff bereit. Mit etwas Übung braucht es die Helferlein nicht mehr.

Habt ihr die Beschädigung entfernt, geht es mit immer feinkörnigeren Steinen an Haupt-, Fein- und Polierschliff. Körnungen siehe vorherige Beiträge. Mit diesen Arbeitsgängen wird eine feine Schneidkante hergestellt. Im Idealfall sind selbst mit der Lupe keine Bearbeitungsspuren mehr erkennbar, die Schneide ist vollkommen blank.

Der letzte Arbeitsgang kann das abschließende Polieren der Klinge auf einem ledernen Streichriemen sein. Hier sollte beachtet werden, dass der Riemen flach aufliegt. Der Arbeitsgang bleibt der gleiche wie beim Nachschärfen oder Schleifen.

Ein hängender Riemen kann zur „Verrundung“ der Klinge führen. Bei Gebrauchsmessern fällt das nicht sonderlich ins Gewicht, bei Klingen mit sehr feiner Geometrie wie z.B. Rasiermessern kann das schon den Unterschied zwischen „sehr scharf“ und „geht so“ ausmachen.

Das war es mit dem kleinen Helferlein zum Klingen schleifen. Viel Erfolg!

Die Kommentare sind geschlossen.