Projekt: Kerzen nach Fundlage (Teil 2)

Heute entstanden mehrere handgeformte Kerzen nach Funden des alemannischen Gräberfeldes Oberflacht. Die Kerzen sind auf das 7. Jhdt. nach Chr. datiert.

Sie bestehen aus Bienenwachs mit einer nicht genau definierbaren Beimengung von Baumharzen.

In meinem vorherigen Beitrag zum Thema nannte ich die Maße der Kerzen. Mit 27 und 26 cm Länge sind sie geringfügig kürzer als das Vorbild ausgefallen, mit dem Durchmesser von 23 und 21 mm liege ich im Maß.

Die Dochte bestehen aus mehrfach gedrillten Leinenfasern. So entstand analog zum Fund ein Docht mit 16 Einzelfasern.

Dem Wachs mischte ich ca. 2% Kolophonium (entöltes und getrocknetes Kiefernharz) bei. Ob sich dieses im Abbrand durch anderen Geruch bemerkbar macht wird ein Versuch zeigen. Vermutlich fehlt der geruchsintensive Terpentinöl- Anteil im Harz um einen Effekt zu erzielen.

In einem vorherigen Ansatz hatte ich einen höheren Kolophonium- Anteil zugegeben, das führte zu einer stark klebrigen Masse, die hinter modernen Klebern nicht zurück steht.
Das flüssige Wachs wurde in dünne Platten gegossen, von Hand um den Docht geformt und durch Rollen verdichtet.

Im Gegensatz zu den anderen bekannten Methoden eine materialschonende und schnelle Art der Kerzenherstellung.

Exkurs:
Die gebräuchlichsten Arten der Kerzenherstellung sind Handformung, Rollen, Tauchen, Gießen und Ziehen.
Handformung und Rollen ist durch Funde bereits für das FMA nachgewiesen. Tauchen und Ziehen sind durch die notwendigen Gefäße und Gerätschaften erst ab dem HMA belegbar.

Beim Begriff „Kerzen gießen“ denken wir zuerst daran, Wachs in eine Form mit Docht einzugießen. Die ursprüngliche Bezeichnung stand für Angießen des flüssigen Waches an den Docht. Mit dieser noch heute für handgefertigte Osterkerzen genutzten Methode können sehr große und dicke Kerzen erzeugt werden.

Die Kommentare sind geschlossen.