Der Schleifstein oder die Wahl des passenden Schleifsteins
Für den vorgesehenen Schliff gilt es den passenden Schleifstein auszuwählen. Schaut eure Klinge an. Weist sie Scharten auf, legt euch als erstes einen Stein niedriger Körnung bereit. Ist sie „nur“ stumpf, reicht ein Stein mit mittlerer Körnung.
Grundsätzlich gilt, dass je gröber die Körnung des Steins ist, um so mehr Material von der Klinge abgetragen wird. Das hinterlässt auf der Klinge, besser gesagt der Schneidkante eine ziemlich rauhe Fläche. Mit der Lupe betrachtet würde die Schneidkante wie eine unregelmäßig gezackte Säge aussehen. Die Klinge würde zwar nach dem Schliff mit einem groben Stein durch das Schnittgut gehen, doch wäre das mehr ein Reißen statt Schneiden. Um Spuren des Vorschliffs zu beseitigen und eine glatte Schneidekante zu erzeugen benötigen wir einen weiteren feinen Schleifstein.
Jetzt ist die Auswahl an Steinen riesig, die Preise reichen von sehr teuer bis billig, der Handel schier unübersichtlich und natürlich gibt es zur maximalen Verwirrung unterschiedliche Normen in denen die Körnungen angegeben werden. Nun ist guter Rat gefragt.
Die gebräuchlichsten Normen für Schleifmittel sind die europäische FEPA (Federation of European Producers of Abrasives), die japanische JIS (Japanese Industrial Standard) und der US- Standard ANSI (American National Standards Institute), der Korngrößen in micron angibt. Und natürlich unterscheiden sich die Angaben der Korngrößen teilweise erheblich.
Du hast im Onlinehandel in Vorfreude des neuen meditativen Hobbies „Messer schleifen“ einen gröberen Stein zum Grundschliff mit „600 F“ und einen vermeintlich feineren „1200 J“ gekauft. Frisch ausgepackt legst Du sie nebebeneinander und stellst fest, dass sie die gleiche Körnung aufweisen.
Upps…. was ist da passiert? Genau, es haben die unterschiedlichen Normen zugeschlagen. Die Buchstaben sind der kleine, doch wichtige Unterschied. Mein Rat lautet, sich ausschließlich auf EINE Norm und EINE Art der Schleifsteine festzulegen. Für einen Überblick welche Korngrößen welcher Norm entsprechen hier eine Gegenüberstellung.
| FEPA | JIS | ANSI / micron |
| 7.500 | 20.000 | 0.5 |
| 4.000 | 16.000 | 0.7 |
| 2.000 | 8.000 | 1.2 |
| 1.500 | 6.000 | 2 |
| 1.200 | 4.000 | 3 |
| 800 | 2.000 | 6 |
| 600 | 1.200 | 10 |
| 550 | 1.000 | 12 |
| 500 | 800 | 20 |
| 320 | 400 | 30 |
| 280 | 320 | 40 |
| 220 | 240 | 60 |
Was heißt das jetzt konkret für die Auswahl des Schleifsteins?
Hier gilt wieder, je niedriger die Körnung, um so mehr Materialabtrag. Ist die Körnung höher, um so feiner und schärfer kann die Schneidkante aufgebaut werden. Die angegebenen Körnungen beziehen sich auf die FEPA- Norm.
- Vor- oder Reparaturschliff: Körnung bis 800
- Hauptschliff: Körnung 800 bis 1200
- Feinschliff: Körnung ab 1200
- Polierschliff: Körnung ab 2000
Weist eure Klinge keine sichtbaren Beschädigungen auf oder ist stumpf wie ein Teigspatel reicht ein Schleifstein mit einer mittleren Körnung zwischen 800 und 1200 für den Schliff zur Herstellung einer guten Gebrauchsschärfe aus. Sollen die Klingen auf Rasiermesserschärfe gebracht werden muss natürlich die Körnung immer weiter gesteigert werden.
Dann habt ihr eine weitere Wahl. Es gibt Öl- und Wasserschleifsteine. Für erstere benötigt ihr ein spezielles (!!!) Öl, das vor dem Schleifvorgang auf den Stein aufgetragen wird, für Wassersteine reicht es diese mehrere Minuten in Wasser einzulegen bis sie kein Wasser mehr aufnehmen. Öl muss während des Schleifvorgangs immer wieder nachgelegt werden, Wassersteine funktionieren so lange sie nass sind. Hier reicht es, den Stein während des Schleifprozesses ab und zu mit einigen Tropfen Wasser neu zu benetzen.
Ich halte Wassersteine für die bessere Wahl für die meisten anfallenden Arbeiten. Ölsteine erfordern mehr Aufmerksamkeit und eine anderer Pflege der Steine.
Sinnvoll sind Kombi-Stein mit zwei unterschiedlichen Körnungen. Meistens haben solche Steine eine niedrige und eine mittlere Körnung. Im Baumarkt erhältliche günstige Kombi- Schleifsteine sind meiner Erfahrung nach eher für den Vorschliff geeignet und deren Körnung meist in der europäischen FEPA- Norm angegeben.
Für gelegentliches Nachschärfen reichen die Baumarktsteine völlig aus. Möchtet ihr euren Klingen mehr Pflege angedeihen lassen rate ich zu höherwertigen japanischen Wassersteinen. In diesem Land hat sich aus der langen, noch immer gepflegten Schmiede- und Schleifertradition heraus eine Schleifmittelindustrie mit hervorragenden Produkten entwickelt.
Aber Vorsicht: einige japanische Hersteller markieren zur maximalen Verwirrung der Kunden ihre Steine mittlerweile nach dem europäischen Standard.
Zur Vorbereitung schrieb ich einige Absätze vorher etwas. Es reicht den Stein in Wasser einzulegen bis er keines mehr aufnimmt. Das kann je nach Beschaffenheit des Steines zwischen wenigen Minuten und einer halben Stunde dauern. Diese Nässe reicht in der Regel bis zum Ende des Schleifvorganges aus.
Während des Schleifens bildet sich an der Oberfläche des Steins aus dem Abrieb des Steins, dem Wasser und dem abgetragenen Metall ein dunkler Schmierfilm. Diesen dürft ihr keinesfalls entfernen, denn das ist die benötigte Schleifpaste, die dafür sorgt, dass eure Klinge wieder scharf wird!
Nach dem Schleifen wascht ihr den Film ab und stellt den Stein zum Trocknen hochkant an einen trockenen Ort.
Noch einige Ratschläge.
Der Handel bietet sehr viel unterschiedliche Messerschleifer an. Das beginnt mit Geräten, die einen „Quick & Easy“ Schliff versprechen in dem ihr eure Klingen mit Durchziehen schleifen könnt. Ich halte die Dinger für einen Garant Klingen nachhaltig zu ruinieren, da sie meist mit recht groben Schleifstäben versehen sind. Mein Tipp: lasst die Finger davon.
Besser sind die von der Fa. Horl entwickelten Rollschleifer, die sogar Anfängern einen fast professionellen Schliff ihrer Messer ermöglichen. Das erzielen sie durch einen mit starken Magneten versehenen Messerhalter, der die Klinge immer gleichen Winkel hält. Der eigentliche Schliff wird mit einer mit unterschiedliche gekörnten Diamantschleifplatten versehenen Rolle vorgenommen. Das ist gleichzeitig der größte Nachteil dieser Geräte. Diamant ist nicht gut zur Klinge, er trägt sehr viel Material ab. Damit ist schnell des Guten zu viel getan. Für gelegentlich Küchenmesser nachschleifen sind diese Geräte hervorragend. Bleibt dann aber bitte beim Original und weicht nicht auf die erheblich günstigeren fernöstlichen Nachbauten aus. Das ist für mich Produktpiraterie und das sollten nicht unterstützt werden.
Neben rein mechanisch funktionieren Schleifgeräten gibt es noch diverse elektrische Helferlein. Schleifböcke, Bandschleifer, Korundrollenschleifer als Bohrmaschinenaufsatz, uvm.
Klare Aussage dazu: wenn ihr nicht wisst was ihr macht, zerstört ihr damit eure Klingen schneller als euch lieb ist. Die Schleifmittel sind ausnahmslos viel zu grob als dass sie ein akzeptables Ergebnis erzielen. Ebenso laufen die Maschinen zu schnell, überhitzen die Klinge (ich sah schon einige ausgeglühte Klingenspitzen) und tragen wiel zu viel Material von der Klinge ab.
Schleift mit Hand oder gebt es jemandem der es wirklich kann. In jeder größeren Stadt gibt es professionelle Messerschleifer oder fragt im Fachhandel wo sie ihre Messer schleifen lassen. Gute Haushaltswarengeschäfte bieten oft Schleifservicedienste an.